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Mare Kandre

Tochter eines Ingenieurs und der Biologin Tiiu Hansson in Söderala (Schweden), verbrachte einen Großteil ihrer Kindheit in Göteborg und Stockholm; einige Jahre auch in Kanada. Bereits als Kind war sie künstlerisch tätig und malte, im Alter von 12 Jahren begann sie ihre ersten Texte zu schreiben. Von 1979 bis 1980 studierte sie an der »Byamshow School of Art« in London Kunst. Bis 1984 sang und spielte sie in drei verschiedenen Postpunkbands, für die sie auch die Texte verfasste.
Ebenfalls 1984 kam für die damals erst 22 Jahre alte Mare Kandre der Wendepunkt: Ihr erster (teilweise) autobiografischer Roman I ett annat land erschien. In diesem ersten Roman beschreibt die Autorin die Reise mit ihren Eltern durch die USA, und die Kritiker bezeichneten sie als die größte Entdeckung des Jahrzehnts. Sowohl Presse als auch Leser waren von der Kraft Mare Kandres, ihre Gefühle und ihre Nähe zur Natur auszudrücken, beeindruckt und staunten über ihr besonderes Sprachgefühl. Mit weiteren Romanen wie Bübins Kind (1987) und Aliide, Aliide (1991) bestätigten sich ihre literarischen Fähigkeiten (beide erschienen bereits bei Septime). Auch bei diesen Romanen blieb Kandre beim Thema Kind, es geht um Angst, Phobien, Scham, teilweise um Missbrauch. 1992 begann eine neue Schaffensperiode in ihrem Leben, mit Ironie, Parodie, teils realistischen Schilderungen und der Einbettung von Religion und Mythologie übte sie Kritik am Patriarchat und wies darauf hin, dass Frauen »nur eine Nebenrolle im Leben spielen« dürfen. Besonders deutlich wurde dieser Aspekt beispielsweise in dem Roman Der Teufel und Gott aus dem Jahr 1993, (Septime, 2015) ausgearbeitet. Ironische Märchen, die Mare Kandre schrieb, boten einen tiefen Einblick in die menschliche Seele und beschreiben eine nahezu utopische Männerwelt. Kandre klagte jedoch nicht an, sondern gab mit Ironie, Parodie und Wortspielen zu denken.
In ihren letzten Werken Hetta och vitt (2001) und Xavier (2002, Übersetzung bereits in Vorbereitung) widmete sich Kandre den Themen Isolation und Ausgesetztheit. Sie nahm das Leben in der aktuellen Welt als Ausgangspunkt dafür, dass sich Personen eine neue Welt, eine neue Wirklichkeit suchen. Zwar ging sie in ihren Geschichten von Extremsituationen aus, dennoch zeigte sie auf, dass die Menschen zu den ursprünglichen Werten des Lebens zurückkehren sollten, da sonst alles im Chaos endet. Am 24. März 2005, im Alter von 42 Jahren, stirbt Mare Kandre durch einen Unfall. Mare Kandre erhielt für ihre Werke mehrere bedeutende Preise, u. a. den »Doblougskapriset« der Svenska Akademien sowie 1999 das »Kallebergstipendium«, ebenfalls von der Svenska Akademien. Schon früh galt die Autorin als Ikone des schwedischen Feminismus.